Erfahrungsbericht: „Verhaltenstherapie“ (Autor: Theresa)

Man lernt mit Hilfe des Therapeuten die gefürchteten Dinge wieder ganz normal – nur einmal nicht fünf Mal – zu erledigen. Geld ohne Handschuhe anzugreifen, ohne daß etwas dabei passiert. Ein Messer in die Hand zu nehmen, ohne Angst dabei zu haben, man könnte jemanden verletzen.

Wichtig:

Es geschieht nichts ohne die Einwilligung des Patienten, Schritt für Schritt, ganz langsam und nur so lange der Betroffene es will. Nur keine Angst vor der Therapie: Im Gegenteil, es tut richtig gut, ein Gegenüber gefunden zu haben, das ganz und gar Verständnis für die Krankheit zeigt; wo man ohne Hemmungen darüber reden kann. Oft ist es ja auch unangenehm sich darüber zu unterhalten, aber man merkt sehr bald, daß man dem Therapeuten wirklich die absurdesten Dinge anvertrauen kann, ohne irgendwie auf Verwunderung zu stoßen; und das tut gut!Aus meiner eigenen Erfahrung heraus kann ich den Zwang folgendermaßen beschreiben: Er ist vergleichbar mit einem lästigen kleinen Kerl, der auf Deiner Schulter sitzt und Dir natürlich immer das Gegenteil davon einredet (ins Ohr flüstert), was Du eigentlich willst.

Er ernährt sich von Deiner Aufmerksamkeit! Um so mehr Du ihm davon schenkst, desto unverschämter wird er.
Er wird immer kräftiger und Du hingegen immer abgekämpfter und schwächer.
Versuche ihn ganz einfach links liegen zu lassen, das verkraftet er am wenigsten. 
Ich weiß natürlich, daß ich mich jetzt leicht rede, aber glaub mir, die Therapie macht sich bezahlt! 
Ich war durch meine Umstände (siehe „mein Krankheitsbild“) wirklich auch total geschwächt und hatte daher anfangs auch sehr wenig Kampfgeist, aber wie man sieht, habe auch ich dann meine Erfolge erzielt. 
Ich getraue mich auch zu behaupten, daß es nicht im Bereich des Möglichen liegt, das lästige Anhängsel von heute auf morgen zu vertreiben – es braucht sicherlich seine Zeit, aber der Erfolg macht sich in den verschiedensten Sachen bemerkbar. Man kann insgesamt das Leben wieder viel besser genießen als vorher. So viele verschiedene Dinge waren so lange auf Eis gelegt und erwachen dann wieder aus ihrem Winterschlaf. Ich kann Dir, was meine Person anbetrifft, folgende ganz simple Beispiele nennen: der Anbetracht eines Sonnenunterganges, ein gutes Essen, ein Konzert und vieles mehr. 
Daher laß Dich nicht entmutigen, wenn die Aufgaben der Therapie anfangs nur schwer bzw. nicht durchführbar sind; die Fortschritte machen sich bald bemerkbar! Bei jedem bißchen Erfolg bist Du dem Ziel wieder einen Schritt näher gekommen.


Der Zwang ist ein hartnäckiger Kerl, aber laß nicht locker ihm zu zeigen, 
daß Du noch hartnäckiger sein kannst!


Theresa

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