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Hier kommt eine Ermunterung zum "Sorgentelefon"
(geschrieben von einer ehemals sehr Betroffenen an Nochbetroffene): Ihr wißt ja vielleicht, daß es das "Sorgentelefon" gibt! Am anderen Ende der Leitung trefft ihr auf eine, die 27 Jahre zwangskrank war und nach zweijähriger Therapie noch 13 Jahre als Cotherapeutin Zwangskranken Hilfestellung gegeben hat. Also, die Zwangserkrankung ist mir wirklich nicht fremd, aber, daß es Hilfe gibt, das durfte ich in all den Jahren auch erfahren. Wichtig: Wie die Hilfe aus der Zwangserkrankung wirklich vor sich geht, das kann man sich vorher nicht vorstellen. Keine Angst - man muß das einfach miterleben. Nicht mehr allein ist man zum Glück, es gibt heutzutage kompetente Unterstützung durch die kognitive Verhaltenstherapie. Jetzt aber zurück zum Sorgentelefon. Nach einigen Jahren in diesem "Job" habe ich auch allerhand gelernt. Zuerst, als ich das Sorgentelefon übernommen hatte, da dachte ich mir folgendes: Betroffene werden das Angebot mit der Überlegung annehmen: "Super, toll." werden sie sich denken "da ruf` ich gleich einmal an!" Ziemlich naiv von mir. Hätte ich damals, vor Beginn meiner Therapie, so reagiert? Vielleicht im ersten Impuls schon, aber dann hätten sich vielleicht Bedenken und Zweifel (ich litt ja an der "Zweifelkrankheit" mit all ihren Ängstlichkeiten!) eingestellt. Immer wieder frage ich Anrufende, ob es schwierig für sie war, zum Hörer zu greifen. Selten höre ich: "Eigentlich nicht." Viel eher solches: Wer weiß, wer da am aneren Ende der Leitung sitzt. Wird sie mich verstehen? Ganz genau? Werde ich ganz genau erzählen können, um die exakt richtige Antwort zu bekommen? "Werde ich belächelt, das ist mir doch oft schon passiert!" Da gibt es Bedenken wie: "Ich hatte Angst, was mir wohl geraten wird. Habe ich überhaupt Aussicht auf Hilfe?" "Was wird die wohl sagen? Vielleicht ähnliches, das mir schon von Familie oder Freunden gesagt wurde? Das war doch so oft wohl gut gemeint, aber total daneben." Oder, was ich persönlich einmal von einer nichtkompetenten Therapeutin - allerdings vor vielen, vielen Jahren vor Beginn meiner Therapie - mir anhören mußte: "Und das muten Sie Ihrer Familie zu?!" (Da habe ich die Flucht ergriffen und eine andere Therapie gesucht?) Was könnten Hilfesuchende noch fürchten zu hören? "Sie haben schon den dritten Therapieversuch hinter sich?! Ihnen ist wirklich nicht zu helfen!" Oder: "Nicht konfronieren, das macht die Sache nur noch ärger. Gehen Sie angstmachenen Situationen aus dem Weg!" Auch solches wurde mir seinerzeit geraten, als Verhaltenstherapie noch nicht so kompetent praktiziert wurde. Inwzischen hat diese Therapieform große Fortschritte gemacht, ist viel freundlicher und humaner geworden. Oder: "Ich möchte keine Therapie, in der ich Medikamente nehmen muß!" (Sie müssen gar nichts, auch nicht - obgleich vielleicht hilfreiche Medikamente nehmen). Der Zwang zweifelt Mutterliebe an, er zweifelt Partnerschaft an, kurz, er zweifelt gerne an, was eigentlich Freude macht. "Liebst Du Dein Baby eigentlich wirklich?" "Ist Dein Partner eigentlich wirklich der Richtige für Dich?" Fragen über Fragen vom Zwang, ich kenne sie, seien Sie versichert! Solches werden Sie von mir nicht hören. Sorgen Sie sich nicht, geben Sie sich einen Ruck. Ohne eingebildet zu sein, darf ich wohl sagen - es war noch jeder Anrufer, jede Anruferin erleichtert, von der Mgöichkeit des Sorgentelefons Gebrauch gemacht zu haben. Eine Frage: Gibt es wirklich viel mehr Zwagnskranke in unsern östlichen und südlichen Bundesländern und bei unseren nördlichen Nachbarn, in Deutschland? Haben Tiroler und Vorarlberger keine Zwangskranke? Das wäre schön, aber ich vermute eher, daß dort die Erkrankten eher etwas zögerlicher sind, sich Hilfe zu suchen. Nur Mut und anrufen! Herzliche Grüße Eure Ulrike S. Autorin der Bücher: "Der Weg aus der Zwangserkrankung" "Hilfreiche Briefe an Zwangskranke" "ABC für Zwangskranke" Tipps einer ehemals Betroffenen. (Alle drei erschienen im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht)
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