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24. Brief Drucken E-Mail
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Geschrieben von Ulrike S.   

Liebe Betroffene!

 

Wahrscheinlich wird das heute nur ein kurzer Brief, ich möchte Euch einfach erzählen, was ich gestern erlebt habe.

Vielleicht erinnern sich einige von Euch (aus den Beschreibungen in den Büchlein), welch große Angst ich in zunehmendem Maße vor öffentlichen Toiletten hatte. Wenn ich nur von Ferne das Schildchen "WC" auf einer Türe sah, habe ich einen Schrecken bekommen und mit Angstgefühlen einen großen Bogen drum herum gemacht. Gestern also war ich mit den beiden Enkelkindern unterwegs. Drei und fünf Jahre sind sie nun.

Es war wohl auch eines meiner Therapieziele, daß eine Zukunft mit Enkelkindern möglich sein könnte. Vortellen mochte ich mir das zu Therapiebeginn überhaupt nicht - aber Therapie kann man sich nicht vorstellen, die muß man erleben. Tag für Tag. In der Vorstellung ist alles ärger, da habe ich mir gar nichts mehr zugetraut.

Wir stehen also vor der Besucherterasse. Der Bub ist fasziniert. Das kleine Mädchen etwas weniger, sie hält sich die Ohren zu und fragt immer wieder, wann wir dann mit dem A-Bus und dem F-Bus wieder durch die Stadt fahren werden. Unsere Ausflüge mit dem Bus durch die Stadt sind ihr vertrauter.

Der Bub, so begeistert er ist, fängt nun doch ganz typisch an hin und her zu wackeln, was heißt: Er muß auf die Toilette. Und weil die Kleine dem großen Bruder alles nachmacht (modelllernen!), muß sie auch! Na, bravo! Das habe ich kommen gesehen.

Ein Flieger startet gerade - nein, er muß nicht mehr. Die Kleine auch nicht. Der Flieger verschwindet in den Wolken, nun meldet sich das Bedürfnis der beiden wieder. Was hilft es, wir ziehen los. Kleine Kinder besuchen gerne fremde Toiletten. Da gibt es immer etwas zu entdecken. Nein, der Bub möchte nicht mit uns auf's Damen-WC. Er geht "zu den Männern". Also müssen wir auch hinein, wir zwei Damen. Ich kann ein kleines Kind hier nicht allein lassen - was könnte doch alles passieren. Man sieht, nicht einmal Restzwänge haben da noch eine Chance, Omapflichtbewußtsein geht vor. Könnt Ihr Euch vorstellen, wie froh ich in solchen Augenblicken um die sicher sehr fordernde Therapie bin.

Stolz erledigt der junge Mann sein Geschäft. Daß er danach die Hände wäscht, haben ihn die Eltern gelehrt. Das darf mich doch mit Erleichterung erfüllen, nicht wahr?!

So, nun geht's aber zur Sache! Jetzt kommt die Kleine dran. Nein jetzt muß sie nicht mehr! Auf keinen Fall. "Auch fein", denke ich mir. Denn wie sich der Toilettengang bei kleinen Mädchen abspielt, das weiß ich mittlerweile. Zurück zu den Flugzeugen. Viel gibt's da zu sehen, trotzdem, jetzt muß das Schätzchen doch. Also nochmals zu dritt auf zu den Toiletten. Der Bub, der Stolze, geht natürlich noch einmal "zu den Männern", obwohl kein rechtes Bedürfnis besteht. Die Kleine weiß, was für sie zu tun ist. Die WC-Brille wird mit Papier belegt. So hat ihr das die Mama gezeigt. Lustig ist das, der Bub drängt mit herein, er will sich das nicht entgehen lassen. Die WC-Türe macht er dezitiert zu, das gehört sich so. Eng haben wir es nun in der winzigen Kabine. Wahrend die Kleine auf den Thron sitzt und nicht kann ("Kommt gleich"), hantiert der Bub fleißig am Papierspender. Warm wird mir. "Jetzt kommt's - horch!", sagt das kleine Mädchen, nun ist auch sie stolz. Schließlich ist sie eben erst den Windeln entwachsen. Die Auslegware von der WC-Brille, die eh' für die Katz' war, weil alles heruntergerutscht ist, klaubt der brave Bub vom Boden auf und wirft sie Stück für Stück ins WC. Das ist wie Papierschiffchenspielen, wirklich fein. Und loben muß ich ihn auch dafür!

Ja, das wollte ich Euch vom gestrigen Enkelkinderausflug erzählen. Ich war schon ein bißl stolz auf mich, aber das kann ich halt nur Euch erzählen. Sonst versteht das niemand wirklich.

Es grüßt Euch recht herzlich

Eure Ulrike S.

Und danke, daß Ihr mir zugehört habt!

Die Bücher:

 

"Der Weg aus der Zwangserkrankung" Bericht einer Betroffenen für ihre Leidensgefährten.   Ulrike S., G. Crombach, H. Reinecker.

"Hilfreiche Briefe an Zwangskranke"  Ulrike S., G. Crombach, H. Reinecker.

"ABC für Zwangskranke" Tipps einer ehemals Betroffenen. Ulrike S. H. Reinecker.

(Alle drei erschienen im Verlag Vandenhoeck & Ruprecht - im normalen Buchhandel oder auch über Amazon erhältlich)

 

 
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jeweils Montag bis Freitag von 10:00 bis 11:00 bzw. von 18:00 bis 20:00

unter der Nummer:

0 650 7537103 

Sie war selbst stark von der Zwangskrankheit betroffen und anschließend an Ihre Therapie als Co-Therapeutin tätig.

Ebenfalls hat sie hilfreiche Bücher darüber geschrieben.

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