Kommt schon!

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  • #268
    Sorge
    Teilnehmer

    Ich bin heute morgens aufgewacht und hab mir ausschnittsweise durchgelesen, worüber ich mir in den letzten Jahren so Gedanken gemacht habe und da kam immer wieder mal vor: lass dich mal in Ruhe, lasse es von alleine gut werden. Du kannst auch mal passiv sein. Auch ist mir dazu eingefallen, dass das traurig-sein bei mir etwas ist, was ich nicht so greifbar habe, weil eben auch passiv. Aus Angst (Zwangs)Handlungen setzen (müssen) damit es einem besser geht, das ist es, was ich gelernt habe – was ich gewohnt bin. So und mit dieser Stimmung: ich muss heuten nichts tun, was nicht unbedingt notwendig ist ging ich in den Tag. Und zwar — voller Elan und habe schon viel erledigt und hab mir gedacht ich nehme den Schwung auch gleich her mal her um hier was zu posten. Das möchte ich nämlich schon auch mitteilen: Wenn’s für einen einigermaßen passt – dann gehe es an. Alleine vor sich dahinleiden, das kann man schon auch mal brauchen, aber das wird nicht ausreichen für erfülltes zwangsfreieres Leben, das in uns wartet um zur Entfaltung gebracht zu werden.

    #270
    Margit Preinfalk
    Teilnehmer

    Hallo Sorge!
    Ich gratuliere Dir, dass Du für Dich einen Weg gefunden hast, voller Elan in diesen Tag zu gehen. Das heißt ja, dass es dir heute gut geht. Darauf kommt es an. Immer wenn es mir gut geht, wenn die Stimmung positiv ist, geht es meinem Zwang schlecht. Denn dann bin ich stark und kann ihn überhören oder kann ihn anschreien: „Lass mich in Ruhe! ICH bestimme jetzt!“ Leider gibt es auch schlechte Tage, wo ER wieder wächst. Ich lerne in der Therapie mir bewusst GUTE TAGE zu machen. Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft und Elan und viele schöne Momente! Margit

    #274
    Sorge
    Teilnehmer

    Hallo Margit!
    Danke für deine Reaktion. Ich hoffe du hattest heute auch viele schöne, wertvolle Momente. Bei mir ist es tatsächlich so, dass das an einem Tag mehrmals wechseln kann. Da kann es sein, dass die Sonne, Sport zum Stressabbauen oder eine Begegnung mit einem wohlwollenden Menschen mich gleich zufriedener und zuversichtlich stimmt. Dein mitfühlender Text hat mir auch recht gut getan.
    Was mir bei dem, was du geschrieben hast auffällt und ähnlich kenne ich das von Ulrike und Theresa. Da gibt es euch selbst und dann eben euren Zwang. Und den bekämpft, beschimpft, verurteilt, ignoriert ihr. Ich verstehe schon, wie ihr das meint und wenn er einen allzusehr stört, dann kann man sich schon auch mal so helfen und mit ihm so verfahren. Aber, wenn ich ganz ehrlich bin, dann gilt es ja trotzdem anzuerkennen, dass das (mein Zwang) auch ich bin. Das was ich meinem Zwang da antue, damit ich ihn versuche los zu bekommen, das tue ich ja mir selbst an. Wenn man das jetzt noch mal aufteilen will, kann man sagen er versucht über mich zu bestimmen und ich mache jetzt dasselbe und versuche ihn mit ähnlichen Mitteln zu verjagen.
    Wäre es nicht auch eine Möglichkeit zu versuchen “miteinander“ gut auszukommen. Wenn er’s übertreibt mit seiner Aufdringlichkeit schaue ich, dass andere Anteile in mir wieder mehr das Sagen bekommen. Aber in gewissem Ausmaß helfen einem die nicht störenden Zwänge zu Verlässlichkeit, Ordnung, Gesundheit, Verfolgen langfristiger Ziele. (Ich bin froh mich zum Nicht-Rauchen zu zwingen oder dazu pünktlich zur Arbeit zu erscheinen und ein verlässlicher Partner zu sein).
    Wenn der innere Kampf immer wieder aufflammt – es wäre vielleicht mal einen Versuch wert, in Ruhe einen Kompromiss zwischen Zwang und Lässigkeit zu finden, damit man Frieden findet – wenn du das überhaupt willst (mir ist das schon auch mal zu fad).

    • Diese Antwort wurde geändert vor 1 Jahr, 3 Monaten von Sorge.
    #277
    Margit Preinfalk
    Teilnehmer

    Hallo Sorge!
    Danke für deine ausführliche Antwort. Ich weiß schon, dass mein Zwang ein Teil von mir ist und dass er auch gute Seiten hat z.B. sorgt er dafür, dass ich genau – fast perfekt – arbeite. Aber er ist ein Teil von mir, dem ich nicht die Kontrolle über mich geben will, genauso wie ich meiner Aggression oder meiner Wut nicht erlauben kann, die vollkommene Macht über mich zu haben.
    Ich leide seit Jahrzehnten unter Kontroll-, Grübel- und Waschzwang.
    Es hat sehr schleichend begonnen. Öfter mal zurückgehen um wirklich zu wissen, dass Herd, Licht, Wasserhahn…aus sind. Sich öfter als andere Menschen die Hände zu waschen…soll ja auch helfen Krankheiten zu verhindern. Irgendwann hat sich im meinem Leben alles ums Kontrollieren und Waschen gedreht und dazwischen auch noch ein wenig ums Grübeln. Ich habe mir bis der Frühstückskaffee aus der Maschine lief schon 30x !!! die Hände gewaschen, habe ganze Ladungen Wäsche noch einmal und noch einmal gewaschen, weil der Zwang es verlangt hat. Er hat mich im wahrsten Sinn des Wortes gezwungen. Denn: Habe ich mich widersetzt gings mir richtig schlecht, nervlich, seelisch sogar körperlich. Magenschmerzen, Übelkeit, Atemnot und Herzrasen, hatte ich solange und so heftig, dass ich schließlich nachgegeben habe. Dabei ist seine Macht stärker geworden. Es ging mir da so schlecht, dass ich meinen Lebenswillen ganz verloren hatte. Ich war wie ferngesteuert.
    Ich weiß, dass ich ihn wahrscheinlich mein ganzes Leben nicht mehr ganz los werde und ich ihn mitnehmen muss, aber ICH sage ihm, dass ICH bestimmen will, was ich wann, wie und wie oft mache. Manchmal gehe ich einen Kompromiss ein und gehe teilweise auf die Forderung ein, manchmal sage ich auch: Jetzt bestimme ich. Manchmal schreie ich ihn auch an. Und manchmal gebe ich auch nach. Aber ich weiß jetzt, dass ICH AUCH EINE STIMME HABE. Nur diskutieren darf ich nicht mit ihm, da verliere ich immer. Aber ich bin froh eine gute Therapeutin zu haben und Fortschritte in die – für mich – richtige Richtung gemacht zu haben.
    Ich wünsche dir und allen, die das noch lesen, viele glückliche Momente und möglichst zwangfreie Stunden.
    AM ENDE WIRD ALLES GUT. WENN ES NOCH NICHT GUT IST, IST ES NOCH NICHT AM ENDE.
    Liebe Grüße
    Margit

    #278
    Sorge
    Teilnehmer

    Hallo Margit!
    Du scheinst dich ja auch schon viel mit deinem Innenleben und deinem Zwang auseinandergesetzt zu haben und viel erreicht zu haben, freier Leben zu können. Das finde ich schön und es freut mich, dass du (anscheinend im Gegensatz zu deinem Zwang) gerne diskutierst.
    Körperliche „Panikreaktionen“, nenne ich sie mal, kenne ich von mir eher nicht – bei mir ist es (und war es früher noch viel mehr) eher ein andauerndes Gefühl von angespannt-sein und ständiges Grübeln und Zweifeln. Zwangsinhalte dürften wir ähnliche haben, da ich das Kontrollieren und Waschen auch gut kenne. Da geht es viel darum die übertriebene Sorge (und damit Angst) zu haben, dass andere oder ich schwerstens geschädigt werden könnten.
    Das mit dem „inneren Dialog“ mit meinem Zwang, oder eben gegen ihn – das ist nicht so meins, hab ich eh schon versucht zu erklären. Mich bringt das aber schon auch zum Nachdenken, nämlich darüber: Wie gehe ich mit anderen um, die mich zu was zwingen (wollen)? Vor allem diejenigen, die mich stark geprägt haben. Wenn du schreibst, mit dem Zwang diskutiere ich nicht, weil ich da verliere. Ich würde sagen, mit diesen Menschen diskutiere ich auch kaum, aber deswegen, weil sie es (noch) nicht können.
    Herzliche Grüße!

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