Dankbar

Ich leide seit mittlerweile über einem Jahr an einem massiven Waschzwang und konnte bis jetzt leider nicht die Hilfe finden, die ich mir ersehne. Heute hatte ich die dritte Sitzung bei der dritten Therapeutin und wieder ging ich mit dem Gefühl nach Hause, nicht an der richtigen Adresse zu sein. Obwohl mir diese Frau überaus sympathisch ist und sie mir mit sehr viel Mitgefühl begegnet, merke ich, dass sie mit dem Thema Zwang wohl nur wenig in Berührung kommt und sie mir nicht das Werkzeug an die Hand geben kann, das ich mir so sehnlich wünsche um endlich damit beginnen zu können, meine Zwänge in den Griff zu bekommen. Bevor ich jedoch ein weiteres Mal den mühsamen Schritt wage, mir eine neue Therapeutin zu suchen, will ich sicher sein, dass ich das richtige tue und mache mich im Internet auf die Suche nach jemandem, dem ich meine Fragen stellen kann und mit dem ich mich austauschen kann. Und was soll ich sagen…? Ganz nervös war ich als ich die angegebene Nummer gewählt habe. Weiß gar nicht so recht warum, aber es war total unbegründet. Ulrike S. ist genau die Art von Mensch, die man sich am anderen Ende des Sorgentelfons wünscht. Sie hat mir bestätigt, dass eine kognitive Verhaltenstherapie wohl die beste Wahl ist (Meine jetzige Therapeutin macht personenbezogene Psychotherapie). Der Therapeut sollte viel Erfahrung mit Zwangserkrankungen haben und das darf man auch ruhig so fragen. Ulrike S. hat mir so unendlich viel Mut gemacht und ich hatte das Gefühl, dass sie mir total aufmerksam zuhört, an meinen Sorgen interessiert ist und vor allem, dass sie mich versteht. Weil sie am eigenen Leib erfahren hat, wie es ist, an Zwängen zu leiden. Es war das erste Mal für mich, mich mit jemandem zu unterhalten der genau weiß wie es mir geht und wovon ich spreche. Das hat einfach mal so unglaublich gut getan. Und ihre Worte waren so motivierend. Sie hat es geschafft, die Zwänge zu besiegen. Also kann ich das auch! Und du auch!!! Wir schaffen das!!!

Nachricht von Ulrike S.

Gerne komme ich dem Wunsch von Urlike S. nach und leite Dir/Euch folgende von ihr verfassten Worte weiter:

Liebe Betroffene,                                                            3. Mai 2020
ich habe gerade mit einer von Zwangsgedanken geplagten am „Sorgentelefon“ gesprochen. Und da ist mir ein Satz aus meinereigenen Therapiezeit wieder in Erinnerung gekommen, der mir damals sehr geholfen hatte: „Das, was ich fürchte, dieser Gedanke, der mich nicht loslässt, wird im Verlauf der Therapie immer mehr an Bedeutung verlieren. „Zu Beginn meiner eigenen Therapie konnte ich mit dieser Hilfestellung vom Therapeuten rein gar nichts anfangen. Ich habe mir absolut nicht vorstellen können, irgendwann meine (Zwangs)ängste zu verlieren. Denn ob meine Vorstellungen von meinem Leben gerechtfertigt sein könnten oder fern von jeder Realität seien, das konnte ich nicht mehr einschätzen. All mein Tun und Denken war so festgefahren. „Wie sollte ein froheres Leben gelingen,“ habe ich mit meinem Schicksal gehadert, „ich habe nun mal Angst und Befürchtungen,  das kann mir niemand ausreden. Mag schon sein, daß andere das schaffen, aber niemand hat solche Bedrängnisse wie ich.“ Gleichsam eine unüberwindbare Kluft stand zwischen den glücklichen anderen und mir. Wollte ich eigentlich auf die Seite der sogenannten Gesunden? War das überhaupt die richtige Lebens-und Denkweise. Oder würde  mir meine (Schein)sicherheit genommen werden. Könnte mein Leben durch die Therpie noch schwieriger werden? (Eine durch die Erkrankung ganz fehlgeleitede Vorstellung war das!)
Die Anruferin am Telefon hatte geklagt: „Ich komme mir so fremd vor.“ Ja, das ist doch so. Fremd im eigenen Haus, so habe ich mich gefühlt. Nicht nur wörtlich gemeint, nein, ganz verloren habe ich mich gefühlt.
Nun möchte ich euch ganz herzlich raten: Macht euch keine Sorgen, wie diese Verhaltenstherpie funktionieren wird. Das müßt ihr ERLEBEN. Auch zu Beginn der Therapie habe ich mich wiederum fremd gefühlt. „Jetzt kenne ich mich gar nicht mehr aus. Altes stimmt nicht mehr, neues steht auf sehr wackeligen Beinen!“
Im Verlauf vieler Therpiestunden und dem ganz praktischen Auseinandersetzen mit meinem von einer Krankheit aufgezwungenen Verhalten ist mir sozusagen „ein Licht aufgegangen“. Dieses „Licht“ hat sich schön langsam über therapeutengestütztes, mutiges, vertrauensvolles, neues „anderes“ Tun eingestellt. Dieser Prozeß war eine  Fülle von Wechselwirkungen. Ich möchte das ganz kurz formulieren:  Neues Denken – neues Tun. Neues Tun bewirkt neues Denken. Dieser Prozeß ist es, der alte, überkommene Vorstellungen verändert und neue Einsichten gewährt. Neue Erkenntnisse zuzulassen und zu gewinnen, das wünsche ich allen Nochbetroffenen!
Habt ihr Lust, Vertrauen und auch ein kleines bisschen Mut? Dann könnt ihr mich gerne unter der auf der Seite angegebenen Telefonnummer erreichen. 
Viele liebe Grüße von Ulrike S.